Aus dem Bericht des Vorsitzenden der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Volker Kauder MdB, am 12.02.2008 in der Fraktion:
Die Integration der bei uns lebenden Migranten ist eine wichtige gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Deshalb hat die unionsgeführte Bundesregierung dem Thema endlich den notwendigen Stellenwert eingeräumt. Mit Maria Böhmer ist erstmals eine Staatsministerin im Bundeskanzleramt Beauftragte für Integration. Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion hat mit dem Integrationsgipfel den Dialog zwischen Migrantenorganisationen und der Bundesregierung angeregt. Mit dem Nationalen Integrationsplan haben wir uns erstmals zusammen mit den Ländern und Kommunen auf verbindliche Integrationsziele geeinigt.
Der Schlüssel zur Integration ist die gute Kenntnis der deutschen Sprache. Deshalb gehen die Forderungen des türkischen Regierungschefs Erdogan nach türkischen Schulen und Universitäten in Deutschland in die falsche Richtung. Die Vermittlung der Muttersprache ist Aufgabe des Elternhauses. Etwaige Versäumnisse der Eltern können nicht erst in der Schule nachgeholt werden, weil dies zu Lasten der Deutschkenntnisse geht. Das zeigen auch die negativen Ergebnisse bisheriger Versuche mit dem muttersprachlichen Unterricht: Statt die Kompetenz in beiden Sprachen zu stärken, waren unterdurchschnittliche Deutschkenntnisse die Folge.
Für die CDU/CSU-Bundestagsfraktion ist klar: Integration ist keine Einbahnstraße. Wir nehmen unsere Verantwortung ernst, die Integrationsbedingungen zu verbessern. Wir erwarten aber auch, dass die Migranten die verbesserten Möglichkeiten entschlossen nutzen und sich in unsere Gesellschaft integrieren.

14 Februar 2008 um 12:30 |
Anmerkung: der Redetext des Ministerpräsidenten der Republik Türkei, R.T. Erdogan, am 10.02.2007 in Köln, ist hier in Übersetzung verfügbar. Bei Interesse mittels kurzer Mail anfordern.
16 April 2008 um 17:15 |
Anmerkung zur Mehrsprachigkeit und zum muttersprachlichen Unterricht
Viele Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund sind Vorurteilen ausgesetzt. Zum einen glauben viele Lehrpersonen, frühkindliche Zweisprachigkeit sei unmöglich, von Nachteil oder überflüssig. Andere glauben, dass die Sprachen der Migranten unwichtig seien. Jede Sprache ist aber genau so wertvoll wie alle anderen. Selbst wenn in der Gesellschaft manche Sprachen mehr Prestige haben (allen voran die englische Sprache) ist das aus linguistischer und pädagogischer Sicht kein stichhaltiges Argument, um andere Sprachen (Italienisch, Türkisch, Russisch… und weitere Tausende) auszugrenzen oder gar zu verbieten.
Und noch etwas ganz wichtiges: Von erwachsenen Zugewanderten, die oft wenig formale Bildung erfahren haben, kann nicht erwartet werden, dass sie ihren Kindern korrektes Standarddeutsch beibringen, ebenso wie von deutschen Eltern im Ausland nicht erwartet wird, dass sie ihren Kindern zum Beispiel makelloses Französisch beibringen oder gar in den eigenen vier Wänden Französisch sprechen. Sprachförderung ist Sache der SCHULE und der VORSCHULISCHEN INSTITUTIONEN!
Zitiert nach Cristina Allemann-Ghionda „Zweisprachigkeit und Bildungserfolg der Migrantenkinder vor dem Hintergrund europäischer Mehrsprachigkeit – Thesen und Forschungsbedarf“ In: Allemann-Ghionda, C, Pfeiffer, S. (Hrsg.). Bildungserfolg, Migration und Zweisprachigkeit.
Perspektiven für Forschung und Entwicklung. Berlin 2008: 40
7 Mai 2008 um 10:42 |
Unbestritten ist aus wissenschaftlicher Sicht: Eine qualifizierte Förderung der Herkunftssprachen ist notwendig für das Erlernen der deutschen Sprache; gleichzeitig muss aber die deutsche Sprache ebenso qualifiziert und gezielt gefördert werden, sonst nützt alles nichts! Auch nicht die Falschmeldungen, wonach zweisprachige Förderung angeblich nichts für Migrantenkinder sei.
7 Mai 2008 um 12:41 |
Ich freue mich, dass das Thema auf so großes Interesse stößt und würde mich über weitere Beiträge freuen!