Im Rahmen des Projekts „KAS-Demokratiereport“ veranstaltet die Konrad-Adenauer-Stiftung am 28. und 29. April 2008 auf dem Petersberg bei Bonn die internationale Fachkonferenz „Medien und Demokratie“.
Die Konferenz widmet sich dem Stand der Medienfreiheit und der Bedeutung unabhängiger Medien für den Demokratisierungsprozess in ausgewählten Projektländern der Konrad-Adenauer-Stiftung in Europa, Afrika, Asien, Lateinamerika und dem Nahen Osten. In Vorbereitung des KAS-Demokratiereports 2008 stellt die KAS ausgewählte Länderberichte vor und diskutiert sie mit Teilnehmern aus Journalismus, Wissenschaft und Politik.
Im Rahmen meiner zeitlichen Möglichkeiten nahm ich am Panel I: Medien und Demokratie teil. Es wurde geleitet von Uta Thofern, Chefredakteurin der DW World, Bonn und startete mit einem sehr interessanten Einführungsreferat von Suthichay Yoon, Vorstand der „Nation Multimedia Group“, Bangkok. Teilnehmer waren zudem der Sprecher des Deutschen Presserates Manfred Protze und Prof. Dr. Ellen Mickiewicz (Duke University, USA).
Herr Yoon sprach gleich in seinem Einmführungsreferat den bemerkenswerten und das Panel prägenden Satz aus:“ Digital Media = new hope of enhancing the citizen`s right to know“ – aber auch: „the real war is in the internet“! Dem konnte Frau Mickiewicz jedoch entgegenhalten, dass beispielsweise Blogs immer nur ein showcase seien und dementsprechend nicht immer die investigative Tiefe von Profijournalisten erreichen würden. Jedoch: Newspapers haben nicht die Flexibilität, wie sie Blogs haben, nicht zuletzt auch in finanzieller Hinsicht. Sind wir also auf dem Weg zur Blog-Demokratie?
Oder, wie es Fr. Thofern als Frage an Herrn Protze richtete: wird das Internet die Rolle des Presserates einnehmen? Immerhin stellte er zuvor klar, dass der Presserat auf die aufmerksame Wahrnehmung der gesamten Leserschaft angewiesen sei und deren Urteil vertraue. Hr. Protze stellte jedoch klar: wir brauchen nicht Informationen, wir brauchen zuverlässige Informationen. Seiner Meinung nach können nur Journalisten Informationen mit gebotener Kompetenz sammeln und vor allem bewerten. Dementsprechend bedarf es wesentlich mehr Journalisten – kommt daher vielleicht das Prinzip der BILD-Leserreporter
Davon grenzt sich zumindest der Presserat ab, der sich zwar für Blogs und Internetausgaben verantwortlich sieht, allerdings nur von renommierten Medienmarken als Absender.
Dass auch dies nicht vor Enttäuschungen schützt, stellte Frau Mickiewicz in einem sehr gelungenen Vergleich fest: Die New York Times ist ihrer Meinung nach die beste Zeitung der Welt. Doch auch diese Zeitung habe zur Zeit des Irak-Krieges keinerlei Statements gebracht, die der Darstellung der Bush-Regierung entgegenliefen – die Regierung hatte den kompletten Zeitungs-Platz. „So the best newspaper of the world went wrong“, bedauerte Fr. Mickiewicz, wofür Hr. Yoon eine wahrlich detailscharfe Analyse parat hatte: die Universitäten würden eben nicht genug gute Journalisten generieren.
Hony soit qui mal y pense
