Es gibt Menschen, die an Märchen erinnern. Nicht nur wegen einer Ähnlichkeit mit Galadriel (Herr der Ringe / Kate Blanchett), sondern auch wegen der besonderen Geschichte, die sich mit einem solchen Menschen verbindet. Diese Erfahrung führt zu der Frage: kann daraus auch das ganz persönliche Märchen entstehen
Wenn man der überwiegenden wissenschaftlichen Meinung glauben darf, dann: ja. „“Das Selbst ist eine Geschichte, die fortwährend neu geschrieben wird“, sagt der Psychologe Jerry Bruner: Wir alle seien immerzu damit beschäftigt, uns „in Erzählungen selbst zu definieren“ und „werden schließlich selbst zu den autobiographischen Erzählungen, in denen wir von unserem Leben berichten.“
Auch Oliver Sacks ist dieser Meinung: Jeder einzelne von uns „konstruiert und lebt eine ‘Erzählung’, [und] diese Erzählung ist er, ist seine Identität“. Die Geisteswissenschaften wiederholen diese Auffassung im Chor: Von der Literaturwissenschaft über die Psychologie, Ethnologie, Soziologie bis hin zur Philosophie; und auch die Politik- und Religionswissenschaften, die Psychotherapie, die Medizin, die Rechtswissenschaften, und Fächer wie Marketing und Design stimmen ein. Überall wird behauptet, daß Menschen ihr Leben typischerweise als eine Erzählung oder Geschichte erleben, oder doch zumindest als eine Anthologie aus mehreren Geschichten.“
Dennoch gibt es Zweifel: sind also Menschen, die sich ganz aus der Situation heraus definieren, nahezu unmoralisch? Dies wird erörtert in einem Artikel von Prof. Dr. Galen Strawson im Times Literary Supplement, 15. Oktober 2004 oder ausführlicher in der Deutschen Zeitschrift für Philosophie 53 (2005), S. 3-22, von dem auch o.g. Zitat stammt. Leider kann der Artikel hier nicht „publiziert“ werden, ich sende ihn aber bei Interesse gerne zu.


1 Juni 2008 um 11:11 |
Prof. Dr. Galen Strawson ist Distinguished Professor of Philosophy am CUNY Graduate Center, New York, und Professor für Philosophie an der University of Reading.
Vorher arbeitete er als Fellow und Tutor für Philosophie an der University of Oxford (1987-2000) und war Gastprofessor an der Research School of Social Sciences der Australian National University (1993), der New York University (1997) und der Rutgers University (2000). Strawson studierte an der University of Cambridge, der University of Oxford, der Ecole Normale Supérieure (rue d’Ulm) und der Sorbonne (1977-78).
Er ist Autor von Freedom and Belief (1986), The Secret Connexion: Realism, Causation and David Hume (1989), Mental Reality (1994) und Hauptautor von Consciousness and its Place in Nature (2006).
Momentan arbeitet er an einer Sammlung von Essays und mehreren Büchern: Selves: An Essay in Revisionary Metaphysics, Life in Time, Hume on personal identity, Locke on personal identity.