Von Brioni nach Beck …

… ist es eine weite Reise, die Friedmann zufolge die SPD hat ausbluten lassen. So vergleicht sich Friedmann mit dem Totengräber der SPD, der nur noch darauf wartet, wann endlich das letzte Umfrageprozent erloschen ist.

Obwohl ich kein Fan von Friedmanns überaus pointierter, gar polemischer, Ausdrucksweise bin, so ist dieser Beitrag doch meiner Meinung nach ausgesprochen gut gelungen. Jeder Satz ein Treffer!

http://www.watchberlin.de/watchberlin/#watchberlin-content-11174-2-V

3 Antworten zu „Von Brioni nach Beck …“

  1. Der Wahrsager sagt:

    Auch ich bin kein Fan von Paolo Pinkel. Die Vorgänge aus 2003 – Ermittlungen im Rotlichtmilieu – haben ja letztlich dazu geführt, dass er freiwillig einen Strafbefehl über € 17.400 akzeptiert hat. Soviel zu dem Charakter, der hinter dem Ihrer Meinung nach „gut gelungenen Beitrag“ steht. Jeder Satz ein Treffer? Na ja, die Zustände in Deutschland, die er im letzten Viertel seines Beitrages beschreibt, sind doch die Realität von heute. Haben wir nicht seit 2005 eine „ Große Koalition“? Ist es nicht die Kanzlerin, die immer wieder beteuert, auf keinen Fall von dem von der SPD eingeleiteten „Reformkurs“ abweichen zu wollen? Ich glaube Ihre Schadenfreude ist ein Rohrkrepierer. Denken Sie mal drüber nach.

  2. rossbach sagt:

    Schadenfreude und – in der Tat gut gelungene – Satire sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Zudem ist es wohl eher so, dass man bestürzt sein musste über den Zustand, in den Beck die SPD – aber auch die Linken – gebracht hatte. Eine Volkspartei in instabilem Zustand – das kann sich niemand wünschen. In dieser Situation ist es auch die Satire (nicht die Polemik), die wachrütteln will. Insoweit ist das kein Rohrkrepierer. Becks Rücktritt zeigt das deutlich.

  3. Der Wahrsager sagt:

    Ich gebe Ihnen Recht – eine Volkspartei in instabilem Zustand.

    Vorab: Ich bin kein Freund von Beck und auch gegenüber der „Brioni“-geprägten SPD sehr kritisch eingestellt. Ganz entschieden verurteile ich aber das ungeprüfte Nachplappern vorgegebener Meinungen zur Erbauung der breiten Masse. Satire hin und her – man sollte sich immer fragen wem es denn letztlich nützt. O.K., aus welchem Lager Paolo Pinkel kommt, ist ja bekannt.

    Kurt Beck ist wohl eher zurückgetreten worden. Die SPD-Anhänger erwarten, dass nun Müntefering und Steinmeier „die Partei wieder nach oben führen“. Mit ihnen kommen aber wohl die eigentlichen Versager an die Spitze der SPD. Es ist leider so.

    „Die Partei wieder nach oben führen“ – da fragt man sich als interessierter Zeitgenosse: Wann war sie denn zuletzt oben? Dankenswerterweise bietet der Spiegel (30.3.) die Entwicklung der SPD-Umfragewerte verschiedener Meinungsforschungsinstitute in einem Zeitdiagramm an.
    • Bei Emnid lag die SPD am 18. Juni 2005 (also ein Jahr vor Kurt Becks Vorsitz) bei 27 Prozent; am 4. März 2008 waren es 28 Prozent.
    • Bei der Forschungsgruppe Wahlen lag die SPD etwa zum gleichen Zeitpunkt (am 24.6.2005) gleichfalls bei 27 Prozent; am 8. Februar 2008 waren es 30 Prozent.
    • Infratest dimap hatte am 30.6. 2005 einen Wert für die SPD von 27 Prozent ermittelt und kam im September 2007 auf einen unveränderten Wert von 27 Prozent.
    • Allensbach veröffentlichte am 19.7. 2005 einen Wert von 26,4 Prozent für die SPD – und am 14.8.2007 bei der „Sonntagsfrage“ 27 Prozent
    • Forsa kam am 22.6.2005 auf 26 Prozent und konstatierte am 18.3.2008 einen „Absturz“ auf 22 Prozent
    Bei 4 von 5 Umfrageinstituten hatte also Beck die SPD nicht nach unten, sondern sogar eher ein bisschen nach oben geführt, wenn man schon Werte um die 30 Prozent „oben“ nennen will.
    Unter dem SPD-Vorsitzenden Beck fanden drei Wahlen statt: In Hamburg hat die SPD um 3,6 Prozent zugelegt, in Hessen hat sie ein Plus von 7,8 Prozent. Nur in Niedersachsen hat sie 3,1 Prozent verloren, aber immerhin noch weniger als die CDU, die ein Minus von 5,8 Prozent hinnehmen musste.
    In Hessen und Hamburg waren nach der ununterbrochenen Serie von Wahlniederlagen seit der Kanzlerschaft Schröders im Jahre 1998 die einzigen Wahlergebnisse zu verzeichnen, bei denen die SPD überhaupt wieder einmal ein paar Prozentpunkte zulegen konnte.
    Dass Kurt Beck mit seinem damaligen Vorschlag, die Garanten der Fortsetzung der Agenda-Politik, Steinmeier und Steinbrück, nun auch noch in die Parteiführung zu nehmen, die SPD nicht wieder „nach oben“ bringen würde, war eigentlich absehbar. Wer aber jetzt so tut, als wäre allein Kurt Beck am Niedergang der SPD schuld, hat entweder ein kurzes Gedächtnis oder er verfolgt ganz andere Ziele.

    Es wird immer deutlicher, dass mit der Beihilfe der Agenda-„Gefangenen“ in der SPD (also vor allem Steinmeier, Steinbrück, Müntefering, der „Seeheimer“, den „Netzwerkern“ und vor allem auch der SPD-Fraktion, an ihrer Spitze Peter Struck) unter dem lautstarken Tremolo vor allem der konservativen Medien davon abgelenkt werden soll, dass es die Agenda-Politik von Schröder und seinen Mitläufern war, die den Niedergang der SPD und den Verlust ihres Status einer Volkspartei verursacht hat. Eine Politik, die darüber hinaus die Mitglieder in Scharen davontrieb, so dass sich die Mitgliederzahl inzwischen halbiert hat und die CDU inzwischen sogar mehr Mitglieder hat als die SPD. Eine Politik auch, die die Linkspartei im Westen erst stark gemacht und die SPD geschwächt hat.
    Die SPD-Rechte hat es geschafft, eine kritische Aufarbeitung des Scheiterns ihrer Politik zu verhindern – bis hin zum Neuwahl-Coup von Schröder und Müntefering -; jetzt versucht sie Kurt Beck zum Sündenbock für den Niedergang der SPD zu machen.

    Das alles nenne ich eine ängstliche Vorwärtsverteidigung dagegen, dass es in Deutschland bloß nicht zu einer Besinnung über den vorherrschenden politischen Kurs kommt. Wer in Deutschland eine andere Politik will, muss endlich auch den Kampagnen-Journalismus der Mainstream-Medien thematisieren.

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