Breitbandausbau in Windeck – brauchen wir das?

7 Januar 2013

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Gestern traf ich zufällig Freunde aus Windeck. Diese wussten, dass ich den dortigen Glasfaser-Ausbau seitens der NetCologne vorangetrieben habe.

Partner bei der im Herbst 2012 begonnenen Ausbauaktivität ist die RWE, welche die Tiefbauarbeiten übernimmt, und so ermöglicht, dass die NetCologne die meisten Einwohner mit bis zu 50 MB/s schnellem Internetanschluss versorgen kann. Für die Kommune entstehen dabei keine Kosten, denn zugrunde liegt eine Vereinbarung zwischen NetCologne und RWE.

„Brauchen wir das wirklich?“ war die Frage meiner Windecker Freunde. „Dadurch bekommen wir auch nicht mehr Firmen nach Windeck“.

Natürlich ist eine Ansiedlung von Firmen oder Bürgern eine Entscheidung, die von mehreren Faktoren beeinflusst wird. Windeck muss als ländliche Kommune mit entsprechenden Vorzügen punkten (bspw. Wohnqualität für Familien). Windeck hat aber auch Nachteile durch die Entfernung zu Ballungszentren, was angesichts des Trends zur Urbanität häufig die Familien-Wohnqualität überkompensiert – erkennbar bspw. an den Immobilienpreisen.

Deshalb muss die Entfernung überbrückt werden – da in absehbarer Zeit kein Autobahnanschluss ansteht, muss es schon zwangsläufig die Datenautobahn sein. Also: ohne funktionsfähigen Internetanschluss bleibt Windeck zwar landschaftlich schön, aber insoweit abgehängt im Standortwettbewerb.

Bisher wurde Windeck mit zumeist niedrigen Bandbreiten versorgt. Ich konnte das als Privatanwender aus erster Nähe erleben, denn von 2009 bis 2011 wohnte ich in Windeck-Wilberhofen. Häufig stockte die Internetverbindung, das Versenden von Mails mit Anhängen verlief langsam, Downloads von Musik und Videos – legal natürlich 😉 – dauerte ebenfalls lange, Nutzung von Video on Demand war nur mit schlechter Qualität möglich, und wenn sonst niemand im Haus das Internet nutzte.

Da ich auch noch hin und wieder von zuhause aus für die NetCologne arbeitete, musste ich aufs Firmennetzwerk und dort gespeicherte Daten zurückgreifen – für meine bisher aus dem von mehreren Anbietern gut versorgten Köln gewohnte Arbeitsweise: nervtötend langsam.

Es ist nicht mehr die klassische E-Mail, welche die Vernetzung der Gegenwart repräsentiert, sondern es sind Vernetzungen von Standorten und Dienste „aus der Cloud“, von irgendwo aus dem Internet. Künftig wird es die Vernetzung von Geräten und Diensten sein, wie man es jetzt nur ansatzweise aus dem Medienbereich kennt. Diese Anwendungen – sei es Smart Metering für Energiedaten, seien es Sicherheitsanwendungen, sei es die Steuerung der kompletten Funktionen eines Hauses – stellen zunehmende Anforderungen an die Bandbreite, auch in Windeck. Hier droht nach wie vor die digitale Schere, die ländliche Bereiche von der Informations- und Wissensgesellschaft abschneidet.

Für Endkunden mag die Nutzung dieser Möglichkeiten eine individuelle Entscheidung sein, wie bei allem Facebook&Co besteht immer noch die Option des Abschaltens.

Aber wie sieht es nun für Firmen aus? Unternehmen und deren Anwendungen vom CAD-Dateiaustausch und der elektronischen Krankenakte bis hin zum Rechenzentrum von größeren Unternehmen erfordern zwangsläufig Bandbreiten, die über die gewohnte Grundversorgung hinausgehen.

Um also die Frage meiner Freunde zu beantworten: Man kann nun nicht behaupten, dass alleine das Vorhandensein von schnellen Internetverbindungen Gewerbetreibende (oder sogar Industrieunternehmen, wie es in Windeck geschehen soll) veranlasst, an einen Standort X zu ziehen. Aber man muss realisieren, dass ohne Internetanbindung keine Standortentscheidung für die Kommune X mehr positiv ausfällt, und im Wettbewerb zwischen Gemeinde X und Y, die verfügbare Bandbreite ein entscheidendes Kriterium darstellt.

Viel dezidierter als in diesem kleinen Weblog-Artikel wird der Sachverhalt übrigens in folgendem Beitrag aus „Land in Form“ von der Deutschen Vernetzungsstelle Ländliche Räume dargestellt: LandInForm_2012_4_Fokus

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Zweifelhafte Idee …

15 April 2011

… in einer Zeit, in der Konvergenz das Geschehen bestimmt und klassische Wertschöpfungsketten und Geschäftsmodelle über den haufen wirft, sucht jeder Orientierung. Dies trifft ganz besonders auf das Thema Video on Demand zu. Als ob nun die Frage „Wie baue ich eine On Demand Börse zusammen“ aufgrund der zahlreichen, mehr oder weniger erfolgsversprechenden, Lösungsansätze nicht schon komplex genug wäre, starten nun diverse Hollywood-Studios einen neuen Anlauf, die zarten Pflänzchen des nichtlinearen Fernsehens zu zertreten.

Sony und Warner haben erste Versuche, selbst Filme als VoD anzubieten, nun deutlich ausgeweitet. Wie der Internetdienst Digitalfernsehen berichtet, stellen die beiden Major-Studios nun 150 teilweise seltenere (ältere?) Filme als kostenpflichtigen Stream ins Netz. Zugleich wird laut darüber nachgedacht, dass künftig noch mehr Filme bereits vor der Kinoauswertung dort zu finden sein sollen, u.a. um „minderwertigen Streams“ das Interesse bzw. die Nachfrage zu rauben.

Zeitgleich mit Bekanntwerden dieser Pläne äußert sich die Kinolobby in USA und droht damit, die Leinwandpräsenz von trailern sowie die Werbung zu reduzieren. Ist aber die Kinobranche überhaupt die Hauptbetroffene? Vielleicht sind Videotheken bzw. jetzt Internetvideotheken und Kinos weniger Konkurrenten, als Studios und Contentaggregatoren bzw. VoD-Angebote „unabhängiger“ Plattformen. Denn einen Film im Internet oder im Kino anzuschauen, ist mehr als eine Preisfrage, es ist eine Frage der Art des Medienkonsums schlechthin. Kino bedeutet immer auch gesellschaftliche Interaktion, in einer völlig anderen Atmosphäre als im Couch-Kino zuhause. Weder das eine oder das andere ist besser, es kommt wie so häufig „darauf an“ – auf die Umstände.

Dass aber nun die Studios eigene VoD-Plattformen präsentieren und damit selbst einen Weg zum Endkunden im Internet suchen, ist aus deren Sicht vielleicht logisch, aber dennoch fragwürdig. Welcher Endkunde surft gerne von Plattform zu Plattform, um sich hier die Warner-Movies, dort die Sony-Streifen und dort wiederum constantin oder noch eine Station weiter Indie-Filme anzuschauen? Diese Fragmentierung gehen VoD-Kunden wohl kaum mit. Wichtig sind daher Content-Aggregatoren, egal ob hinter den Kulissen als Zulieferer, oder Plattformbetreiber mit Endkunden-Portal. Hier entscheidet die Auswahl, hier finden mehrere Geschmäcker etwas (von „vielen Geschmäckern“ nicht zu sprechen, dazu ist das Angebot diverser Portalbetreiber einfach zu klein).

Nichts spricht dagegen, dass sich Studios oder möglicherweise auch Sender in VoD-Portalen mit Channels präsentieren. Dies ermöglicht den Aufbau eigener Markenwelten und die Abgrenzung zu als minderwertig empfundenen (aber dennoch häufig genutzten) Angeboten in VoD-Portalen. Moderne Content-Management-Systeme unterstützen das. Die Torpedierung solcher Bemühungen aufgrund Egoismen dürfte jedoch kaum zu Erfolgssteigerungen führen!


Durchstarten …

22 August 2010

… heißt es nun, nachdem das erste halbe Jahr als Produktmanager TV bei der www.netcologne.de vorbei ist. Spannende Themen von der Konfiguration von PayTV-Paketen über die Aspekte der Endnutzergeräte bis hin zu begleitenden Fragestellungen von Einspeiseentgelten und Urheberschutz gilt es zu bearbeiten. Somit ist dies ein Job, der mir persönlich viele Erkenntnisse und Erfahrungen bringt, und für den ich mich dementsprechend gerne engagiere.

Im Herbst stehen zudem einige Messebesuche an, sei es die Internationale Funkausstellung in Berlin, die IB Cable in Amsterdam oder die MIP in Cannes. Ich gehe davon aus, dass überall das Thema Hybrid-TV und VoD seine Schatten voraus werfen wird und bin sehr gespannt, wie diese aussehen.

Ich freue mich selbstverständlich auch auf weitere freundschaftliche Zusammenarbeit mit RA Dirk Budach im Rahmen der www.apollogruppe.de.